LECTURNITY im Härtetest: Online-Seminar der Uni Freiburg

03.08.2010
12:33
Nicole Meinholz

Dr. Nicole Wöhrle von der Servicestelle E-Learning der Uni Freiburg hat gemeinsam mit Christoph Hermann vom Institut für Informatik in einem Online-Seminar „Vorlesungsaufzeichnungen leicht gemacht“ bei e-teaching.org verschiedene Aufzeichnungssysteme, darunter LECTURNITY, vorgestellt und getestet. Den Link zur Aufzeichnung des kompletten Online-Seminars finden Sie am Ende des Textes. Im Nachgang zu diesem Seminar stand Frau Dr. Wöhrle der IMC für ein Interview zur Verfügung.

 

1. E-Lectures haben sich nach anfänglicher Skepsis als Lernmedium an Universitäten etabliert. Worin sehen Sie die Vorteile?

Computerbasierte Aufzeichnungen von Vorlesungen sind mittlerweile sehr unkompliziert in der Herstellung. Die Produktionskosten sind vergleichsweise gering, für die Dozierenden ergibt sich durch den synchronen Mitschnitt nur ein geringer Mehraufwand in der Vorbereitung und Durchführung der Präsenzveranstaltung. Die Aufzeichnungen, die die Dozent/innen den Studierenden der Uni Freiburg z. B. über die campusweite Lernplattform CampusOnline oder über das E-Lectures-Portal des Instituts für Informatik online zur Verfügung stellen, können unabhängig von Ort und Zeit abgerufen werden und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Flexibilisierung des Studiums.

 

2. LECTURNITY liegt ein so genanntes „automatisiertes Aufzeichnungsverfahren“ zugrunde. Was versteht man darunter?

Das heißt, dass die Prozesse in LECTURNITY so weit standardisiert und vereinfacht sind, dass der Vortragende problemlos allein die Software bedienen und seinen Vortrag damit aufzeichnen kann. In der Praxis erleben wir es zwar immer noch, dass eine studentische Hilfskraft die Dozierenden unterstützt. Wer mit der Handhabung der Software und den technischen Geräten etwas vertraut ist, kann Aufzeichnungen aber auch durchaus selbstständig durchführen. Wir stellen hierzu fertig konfigurierte Leihsets zur Verfügung – das sogenannte „Lecturnity Mobil“ – das im Wesentlichen aus einem Tablet-PC als Aufzeichnungsrechner mit Funkmikrophon und einer optionalen WebCam besteht. Die Dozierenden brauchen nur noch Ihre Powerpoint Folien vom USB-Stick zu laden und auf den Aufnahmeknopf zu klicken. In einigen Hörsälen stehen auch festinstallierte Aufzeichnungspulte.

 

3. Die Universität Freiburg darf getrost zu den Vorreitern bei E-Lectures gezählt werden, ist doch aus dem Forschungsprojekt „Authoring on the fly“ am Institut für Informatik das spätere „LECTURNITY“ entstanden.  Wenn Sie das Produkt heute betrachten – worin liegen seine Stärken?

Ein großes Plus von LECTURNITY ist, dass es Powerpoint-Folien nicht einfach nur abfilmt, sondern die Folien vor der Aufzeichnung komplett importiert werden. Texte, Bilder oder Grafiken bleiben somit als einzelne Objekte vollständig erhalten. Dadurch sind die Aufzeichnungen für jedes beliebige Ausgabemedium ohne Qualitätsverlust skalierbar, was bei Aufzeichnungen im reinen „Screengrabbing-Verfahren“ nicht gegeben ist. Ein weiterer Vorteil ist die Volltextsuche über alle Folien hinweg, die in der aktuellen Version auch im Flash-Ausgabeformat funktioniert. Bei Vorlesungen von bis zu 90 Minuten Dauer finden die Nutzer dadurch schnell die gewünschte Stelle. Schließlich hat sich auch die Funktionsleiste in LECTURNITY sehr bewährt. Der Redner kann schnell und bequem auf Funktionen wie die Stopp/Aufnahme-Taste zugreifen. Dozierende, die sich auf die technischen Möglichkeiten einlassen, haben zusätzliche Stift- oder Textmarkerfunktionen zur Verfügung, um die Folien während der Präsentation per Hand auf dem Tablet-PC bzw. über Grafiktabletts zu ergänzen. Dies gibt der Aufzeichnung einen zusätzlichen Mehrwert und bei gezieltem Einsatz mit entsprechend vorbereiteten Folien gewinnt auch der Vortrag im Hörsaal selbst gegenüber einer reinen Folienpräsentation.

 

4. LECTURNITY ist in der Lage, alle Medienströme - Folien, Annotationen, Audio, Video, Bildschirm-aktivitäten etc. - zu einem Datenstrom zusammenführen. Was sind Ihrer Erfahrung nach die wichtigsten Elemente?

Das hängt ganz von der Art der Präsentation ab. Erfahrungen aus der Informatik, wo die  Wissensvermittlung ganz intensiv über die Folieninhalte erfolgt und auch mit der Annotationsfunktion (z.T. als Tafelersatz) gearbeitet wird, stehen natürlich die aufgezeichneten Folien in Kombination mit den mündlichen Ausführungen des Dozierenden und den handschriftlichen Kommentaren im Vordergrund. Ein zusätzliches Video des Vortragenden hat hier eher keinen zusätzlichen Informationswert und ist deshalb bei folienintensiven Vorträgen in der Regel verzichtbar oder durch ein Standbild ersetzbar. Das vereinfacht den Aufzeichnungsprozess und reduziert den Datenumfang der Aufzeichnung erheblich. In anderen Fächern z.B. bei den Geisteswissenschaften wo Folien eher nur illustrierenden Charakter haben und der Vortrag ganz wesentlich vom Vortragenden selbst und dessen Vortragsstil bzw. Gestikulation abhängt, kann einem zusätzlichen Video eine ganz andere Bedeutung zukommen.

 

5. Wenn sich heute jemand erstmals mit dem Thema E-Lectures beschäftigt – was würden Sie ihm oder ihr empfehlen?

In den meisten Universitäten sind zentrale Anlaufstellen analog unserer „Servicestelle E-Learning“ an der Uni Freiburg vorhanden, die zu den vorhandenen Aufzeichnungstechniken und –möglichkeiten Beratung und Unterstützung anbieten. Diese sollten in jedem Fall für eine grundsätzliche Information aufgesucht werden. Ansonsten gilt, dass vor jeder Aufzeichnung überlegt werden muss, was und vor allem warum aufgezeichnet werden soll. Es gibt inzwischen sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten, die Wahl der Aufzeichnungstechnik bzw. des Tools muss immer auf den Einsatzzweck und die Rahmenbedingungen abgestimmt sein. LECTURNITY eignet sich z.B. dann, wenn Vorlesungen oder Vorträge aufgezeichnet werden sollen, die mit einfach gestalteten Powerpoint-Folien unterstützt werden, in denen keine aufwändigen Animationen oder Videos enthalten sind. Diese werden beim Importvorgang leider (noch?) nicht berücksichtigt.  Wichtig ist in jedem Fall eine gute technische Ausstattung, hinsichtlich Mikrophon und Soundkarte, um eine gute Soundqualität zu erreichen. Die Aufzeichnungsrechner sollten auch mit ausreichend Arbeitsspeicher ausgestattet sein, vor allem, wenn parallel noch ein Video des Dozierenden mitgeschnitten wird. Ein Web-Portal, das einen strukturierten, direkten und nachhaltigen Zugriff auf die E-Lectures in verschiedenen Formaten ermöglicht, ist ebenfalls empfehlenswert.

 

Hier geht es zur Aufzeichnung des Online-Seminars

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